Digitalisierung im Anlagenbau

Auf dem 6. Engineering Summit im RheinMain Kongresszentrum in Wiesbaden diskutierten über 300 Führungskräfte die Chancen und Möglichkeiten der Digitalisierung sowie aktuelle Entwicklungen im Großanlagenbau.

Hebel für eine höhere Wettbewerbsfähigkeit
Steigende Konkurrenz aus Asien, insbesondere China, erhöht den Marktdruck im Großanlagenbau. Die Digitalisierung kann dabei ein wichtiger Hebel sein, um die Wettbewerbsfähigkeit signifikant zu verbessern. Hier sind neue und innovative Lösungen gefragt. Prof. Dr. Katja Windt, Mitglied der Geschäftsführung der SMS group, stellte in diesem Zusammenhang einige bereits am Markt erprobte Ansätze vor: eine Software zur Qualitätsüberwachung der Stahlproduktion sowie Apps, mit deren Hilfe die Energiebilanz eines Werks optimiert werden kann. Die Vision dahinter ist ein sich selbstständig optimierendes „Lernendes Stahlwerk“ – basierend auf menschlichem Know-how, physikalischen Zusammenhängen und komplexen mathematischen Modellen, deren Auswertung in Echtzeit erfolgt.

Benchmarking-Studie zeigt zukünftige Potenziale der Digitalisierung auf
Wohin die Reise ins Jahr 2025 gehen wird, untersucht eine Benchmarking-Studie der Arbeitsgemeinschaft Großanlagenbau des VDMA in Kooperation mit der PwC-Praxisgruppe Capital Projects & Infrastructure (CP&I). Die Studie vergleicht den Stand der Digitalisierung im deutschen Industrieanlagenbau mit internationalen Wettbewerbern. Erste Ergebnisse wurden auf dem Kongress vorgestellt. Die Stärken deutscher Anbieter liegen demzufolge vor allem in der Weiterentwicklung digitaler Technologien wie etwa der künstlichen Intelligenz sowie im Angebot von Lösungen zur Cybersicherheit. Bemerkenswert ist außerdem, dass aus Sicht der Auftraggeber im Jahr 2025 neue Vertragsarten wie das Performance Based Contracting sowie neue Geschäftsmodelle, zum Beispiel das sogenannte Pay-per-Use und das Freemium Modell, dominieren werden. Was sind die Konsequenzen dieser Entwicklung? „Der klassische Festpreisvertrag wird an Bedeutung verlieren. Der Großanlagenbau muss darauf mit maximaler Flexibilität im Angebot und in der Abwicklung der verschiedenen Vertragsmodelle reagieren.“, so Christian Elsholz, Director Capital Projects & Infrastructure bei PwC Germany.

Anlagenbau ist ein „People Business“ – Der Faktor Mensch ist entscheidend
In den Diskussionen zur Digitalisierung wird allerdings auch deutlich: Ohne den Menschen geht es nicht. Hierbei ist es wichtig, den Mitarbeitern mehr Verantwortung einzuräumen und sie in Veränderungsprozesse aktiv einzubinden. Neue Formen der Zusammenarbeit sind gefragt, beispielsweise in Form von wissensbasierten Teams. Einen interessanten Ansatz in diesem Zusammenhang erläuterte Julien Brunel, Head of Digitalisation bei Linde Engineering. Mit dem sogenannten Digital Basecamp wurde eine Infrastruktur geschaffen, bei der Experten zum Thema Digitalisierung mit Ingenieuren aus dem Anlagenbau sowie Kunden projektbezogen zusammenarbeiten, um die erste Idee innerhalb kurzer Zeit zu einer marktfähigen Lösung zu entwickeln. Ein weiteres Kernelement dabei ist die enge Zusammenarbeit mit Partnern außerhalb des klassischen Maschinenbaus.

Impressionen und Stimmen zum 6. Engineering Summit

Ist der Anlagenbau für die Digitalisierung gerüstet? Im Video geben einige Referenten, u. a. Marcel Fasswald, CEO bei thyssenkrupp Industrial Solutions und Dr. Hartmut Klocker, VP Business Segment Automation & Engineering Systems bei der Siemens AG, sowie Teilnehmer des Kongresses Statements zu dieser Frage ab. Sie erläutern ihren Standpunkt und benennen wichtige Erfolgsfaktoren im Rahmen der Digitalisierung, wie beispielsweise die Kompetenzen der Ingenieure, gegenseitiges Vertrauen und die Einbindung aller Prozesse in der gesamten Wertschöpfungskette.

Sie interessieren sich für Weiterbildungen im Bereich Projekt- und Claimsmanagement? Hier geht's zu unserem Angebot